Aufopfernd und hilfsbereit - was daran "falsch" ist

Aufopfernd und hilfsbereit - was daran "falsch" ist

Die Überschrift ist vielleicht ein wenig provokant, zugegeben. Doch bestenfalls dient sie Dir zum Wachrütteln. Ich bin gerne hilfsbereit und mag mich auch gerne um andere Kümmern. Das habe ich von Zuhause mitbekommen. Das ist ein feiner Zug, oder? Egoismus ist schließlich sehr negativ. Jedenfalls habe ich das so gelernt.

 

Aus der Generation meiner Eltern bekam ich das Bild mit, dass "man" sich zu allererst um andere kümmerte, bevor man an sich selbst dachte. Eine Freundin sagte mir mal - und darauf war sie mächtig stolz - dass ihre Mutter nie klagte, nie zuerst an sich selbst dachte und immer für alle anderen da war. Was für ein feiner Zug! Ein tolles Vorbild, oder?

Bin ich zu egoistisch, wenn ich das nicht tue?

Egoismus ist für mich heute nichts Negatives. Doch ich bin katholisch aufgewachsen und schon aus diesem Grund war Egoismus verwerflich. Die Kirche predigte ja auch, dass Du Dich zurücknimmst, bevor Du an Dich selbst denkst. Geschweige denn, dass Du zuerst an Dich denkst. Doch ich glaube, egal welche Kirche und welcher Glaube, dass das so nicht gemeint ist. 

 

Denn es heißt doch: "Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst!" 

 

Wie kannst Du das aber tun, wenn Du Dich selbst so vernachlässigst? Liebst Du Dich dann selbst überhaupt (noch)? Wie kann es mir schlecht gehen, allen anderen aber gut? Das ist mit Sicherheit so nicht gedacht. Denn wie kann ich mich einbringen und anderen helfen, wenn ich selbst am Boden liege? Wie behandele ich mich dann eigentlich?

Welche Vorteile es hat, andere in den Vordergrund zu stellen

Wenn ich andere wichtiger als mich selbst nehme, hat das durchaus auch Vorteile. Denn jede Medaille hat zwei Seiten. Die schauen wir uns jetzt mal an:

  • ich stehe bei anderen gut da
  • bekomme Lob und Anerkennung
  • kann von mir selbst ablenken
  • brauche nichts für mich selbst tun
  • mir um mich selbst keine Gedanken machen
  • kann in meiner Komfortzone bleiben
  • brauche nichts zu verändern
  • kann mich als Opfer fühlen
  • bekomme Zuwendung dadurch
  • liebe mich selbst nicht
  • schätze mich selbst nicht wert usw. usw.

Fällt Dir auch noch etwas ein? Prima. Du siehst, so kann das auch gesehen werden. In gewisser Weise schützt Dich eine solche Haltung vor Deiner eigenen Weiterentwicklung. Veränderungen sind ja nicht immer willkommen. Auch, wenn sie sich jeder wünscht. Sie machen Angst und können das Leben ganz schön auf den Kopf stellen.

Wo bleiben Deine eigenen Bedürfnisse?

Diese Haltung kann Dich nicht nur ausbrennen. Wer sich so behandelt und seine eigenen Bedürfnisse nicht sieht und ernst nimmt, kann lebensbedrohlich krank werden. Du nützt niemandem damit, wenn Du eines Tages zusammenklappst. Es sei denn, Du nimmst in Kauf, als eine Art Märtyrer in die Geschichte einzugehen. Doch das ist irgendwann vergessen.

 

Du hast die Wahl, dass alles so bleibt. Für den Fall, dass Du bereit bist, Dich endlich wertschätzend und liebevoll um Dich selbst zu kümmern, bin ich gerne an Deiner Seite. Es gibt immer Hintergründe dafür, dass Du diesen Weg für Dich gewählt hast. Doch, wenn es für Dich an der Zeit ist, mach den ersten Schritt. Allerdings kannst diesen wirklich nur DU machen. Für alle anderen bin ich gerne an Deiner Seite.

 

Und jetzt Du!