Resonanz: Warum ich fühle, was der Andere fühlt

Wer kennt es nicht, das ansteckende Gähnen oder Lachen eines anderen.

Doch, das ist längst noch nicht alles. Bis vor einigen Jahren wusste ich noch nichts von "Spiegelneuronen" und deren Funktion, die für die Übertragung von Emotionen verantwortlich sind. Das führt dazu, dass wir "mitschwingen" (gleiche Wellenlänge) oder auch im "Einklang" sind.

Mit Ausbildung der wingwave-Methode lernte ich, dass weit mehr Gefühle von anderen übertragen werden, als ich es mir vorstellen konnte.

"Der andere ist Dein Spiegel" trifft nicht nur auf das Verhalten zu, was uns andere spiegeln, sondern auch auf Emotionen, die wir von anderen übernehmen. Ich fühle, was der andere fühlt.

 

Vor einigen Jahren, im Rahmen einer meiner Ausbildungen, gab es einen Gasttrainer, der mich ganz offensichtlich gut leiden konnte. Das fiel mir sofort auf. Während weiterer Tage, an denen er in unserer Ausbildungsgruppe teilnahm, vertiefte sich das sogar noch - oder jedenfalls kam das so bei mir an.

 

Ohne wirklich zu wissen warum, weil dieser Trainer mir ja nicht unsympathisch war, hatte ich aber das Gefühl dass das, was bei mir von ihm ankam, weit mehr als nur Sympathie war.  Das war mir unangenehm und ich hatte das Bedürfnis mich abzugrenzen, oder zumindest seinen Blicken auszuweichen. Ihm selbst gar gar nicht bewusst, was er in meine Richtung aussandte.

 

Nur seinen Blicken auszuweichen half nicht, mich von den Gefühlen, die die bei mir ankamen, mich abzugrenzen. Ich setzte mich deshalb so hin, dass ich ihm nicht mehr direkt gegenüber saß. Auch sonst zog ich mich zurück und sprach kaum noch ein Wort mit ihm. Das half, diese Übertragung zu unterbrechen. Damit fühlte ich mich gleich sehr viel wohler.

 

Allerdings bemerkte er nun, dass ich mich ihm gegenüber sehr distanziert verhielt und verstand das nicht. Das konnte ich ihn seinem Gesicht ablesen. Er hatte offensichtlich nicht bemerkt, was er in meine Richtung ausgesandt hatte. Es schien so, als wäre er nun über mein Verhalten etwas irritiert und auch ein wenig verletzt. Für mich war das ebenfalls sehr verwirrend und ich fand nicht den Mut, ihn darauf anzusprechen. Der Kreislauf schloss sich insofern, als dass wir uns jetzt beide etwas mehr aus dem Weg gingen.

 

Meine "Spiegelneuronen" hatten seine Gefühle aufgenommen. Sie brauchten gar nichts mit meiner Person zutun haben. Mag sein, dass es da eine Sympathie gegeben hatte. Doch darüberhinaus hatte ich auch andere Gefühle in ihm zum schwingen gebracht. Er hatte seine Gefühle und Bedürfnisse auf mich übertragen.

 

Was auf diese Weise passiert ist, ist völlig normal und geschieht öfter, als jedem von uns bewusst ist. Insbesondere auch in Situationen, in denen wir emotional im Stress sind, können nicht nur die eigenen Emotionen dazu führen, dass ein Erlebnis schwer verkraftet bzw. verarbeitet werden kann. Der Verstärker liegt quasi in den Emotionen, die wir von unserem Gegenüber noch dazu aufnehmen. Vielleicht haben wir selbst mit unserer Scham zu kämpfen und bekommen den Ärger des Gegenüber noch obendrauf. 

 

Oder, Du versagst in einer wichtigen Situation. Gefühle, wie Wut, Trauer, oder Hilflosigkeit lähmen Dich. Doch du spürst auch, mit welchen Emotionen vielleicht Dein Chef, Dein Partner oder Vater/Mutter zu kämpfen hat. Ohne es bewusst mitzubekommen, nimmst Du Gefühle Deines Gegenüber auf, was möglicherweise das Verdauen Deines Erlebnisses schwieriger machen kann.

 

Mit wem oder was Du in Resonanz gehst, liegt daran, wie entwickelt bzw. ausgebildet Deine Spiegelneuronen sind. Im Alter zwischen 3 und 4 Jahren sind sie voll entwickelt, jedoch können sie auch noch später ausgebildet werden. Je nachdem, wie emotional und wie mitfühlend Du sein kannst, haben damit Deine Spiegelneuronen zu tun. Das wiederum hängt damit zusammen, welche Vorerfahrungen Du als Kind z. B. über Deine Eltern machen konntest.

 

Immer wieder ein spannendes Thema, finde ich. Dazu gehört auch, dass wir uns wünschen die gleiche Wellenlänge zu jemandem zu haben oder mit anderen Menschen im Einklang zu sein. Damit sichern wir uns das eigene Überleben. Welche Erfahrungen hast Du zu diesem Thema machen können?

 

Entspannte Grüße

 

Susanne Körner

 

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