Dein Stress, ist auch mein Stress

Wie sehr sich der eigene Stress auch auf Tiere überträgt, wurde mir gerade mal wieder sehr bewusst.

 

Ich hatte mich bereit erklärt, weil große Katzenliebhaberin, einer Frau, die Weihnachten ihre Verwandten besuchen wollte, mit Katzensitting zu helfen.

 

Wir hatten vorab alles besprochen und ich stellte mich daraufein, dass ich in den nächsten Tagen flauschigen Besuch bekommen sollte.

 

Doch dann schrieb die Katzenbesitzerin mir plötzlich eine Email, dass sie gerade mitten im Umzugsstress sei und sich Sorgen mache, ob sie mir ihr Tier überhaupt bringen solle. 

 

Was war passiert?

 

Sie schrieb mir, dass ihre sonst sehr anhängliche Katze nicht mehr wiederzuerkennen sei. Sie würde Drohgebärden wie knurren, jaulen und fauchen von sich geben, sodass selbst es sie selbst sehr verunsichere. So würde sie "Molly" überhaupt nicht kennen. 

 

Ich erkundigte mich ganz genau, was gerade los sei und ob ihre Katze denn, zwischen all den Kartons, abgebauten Regalen etc. überhaupt noch ein ruhiges Plätzchen habe. Das schien nicht der Fall zu sein und so wurde das Tier immer unruhiger, so wie die Besitzerin ihres Tieres wegen auch.

 

Ich schrieb innerlich schon ab, dass Molly unser Gast sein würde und schrieb ihr zurück, dass ich noch mal in mich gehen und mich bei ihr melden würde. Denn das will gut überlegt sein, so ein gestresstes Tier und die Verantwortung zu übernehmen.

 

Nach einem sehr emotionalen Telefonat, ein paar Tränen und gutem Zureden, brachte sie mir ihre Katze dann schon 3 Tage früher als geplant. Ich fand, dass es höchste Zeit war, das Tier aus dem Umzugsstress und ihren sehr gestressten Besitzern zu befreien. Klar, dass sie im neuen Umfeld auch erstmal gestresst ist und sich eingewöhnen musste, aber allemal besser, als die Situation vorher.

 

Molly fauchte jetzt auch mich an und die Laute, die sie von sich gab verhießen nichts Gutes. Doch ich ließ sie sich zunächst einen "sicheren Ort" suchen, damit sie das Gefühl hatte alles im Blick zu haben und sich zurückziehen konnte.

 

Ein paar Rescue Bachblüten Tropfen ins Trinkwasser und absolute Ruhe trugen dazu bei, dass Molly ganz langsam aber stetig sich immer mehr beruhigen konnte. Da Molly aber immer noch mega ängstlich ist, faucht sie uns immer noch an, will trotzdem dringend auf meinen Schoß und ein zaghaftes Schnurren habe ich inzwischen auch schon hören können.

 

Aus einer solchen Situation heraus habe ich schnell ein Foto gemacht und der Besitzerin geschickt. Wir telefonierten daraufhin und sie machte ihrer Erleichterung Luft. Jetzt kann Weihnachten beginnen, sagte sie ganz glücklich. Für sie und für Molly, die es bei mir und in meinem Umfeld ganz entspannt und eher ruhig haben kann.

 

Mich freut das auch sehr und so nähern Molly und wir uns täglich mehr und mehr an. Nicht nur Stress auch andere Emotionen übertragen sich, je nach Sensibilität eines Menschen auch recht schnell. Aber eben nicht nur auf andere Menschen, auch auf Tiere. Daran sollte man als Tierbesitzer immer denken.

 

Insbesondere ein Umzug, ist für Katzen mega Stress, weil sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Sie sind Gewohnheitstiere und haben es meist schwer, sich umzugewöhnen. Das ist Stress pur für sie.

 

Dein Stress, ist auch mein Stress kann bedeuten, dass sich der Stress des Gegenüber über die Spiegelneuronen überträgt. Wenn ich also sehr unruhig und nervös bin, kann sich das auf mein Gegenüber bzw. auch auf mein Tier übertragen - umgekehrt natürlich auch. Wenn dann Tierbesitzer und Hund oder Katze ebenfalls im Stress sind und sich das Ganze immer mehr hochschaukelt, kann auch beim Tier etwas zurückbleiben und es wird u. U. schneller als sonst auf Reize von Außen reagieren - vielleicht sogar panisch werden.

 

Ich wünsche jedenfalls schon jetzt allen ein schönes, frohes und vor allem entspanntes Weihnachtsfest!

 

Susanne Körner