Warum verdrängte Gefühle krank machen

Was haben Sie eigentlich alles in Ihrem Rucksack? Womit schleppen Sie noch heute herum? Vor allem, was für ein Typ Mensch sind Sie im Hinblick auf Ihre Gefühle? Wenn Sie alles rauslassen (können), wird's Ihnen seelisch damit sicher besser gehen, denn dann können Sie Erlebtes besser verarbeiten. Doch wenn nicht, schleppen Sie es womöglich jahrelang mit sich herum und das wirkt sich langfristig sowohl seelisch als auch körperlich aus.

 

Gefühle sind nicht weg, nur weil sie verdrängt wurden

 

Wenn ich da an mich selbst denke, ich bin als Kind mega schüchtern gewesen und habe mich schon aus diesem Grunde kaum oder nicht getraut, mich zu wehren oder zu äußern. Deshalb habe selten gesagt, wenn ich etwas nicht in Ordnung fand, etwas mich ärgerte, geschweige denn, dass ich wütend sein "dufte". Das habe ich erst gelernt, nachdem ich im Umgang mit Menschen es nicht einfach hatte. Denn die bitteschön sollten sehen, wenn es mir mit etwas nicht gut ging. Meine Mimik zeigte deutlich meine Gefühle, denn äußern konnte ich sie nicht. Mein Rucksack wurde schwerer und schwerer und körperlich merkte ich das vorwiegend im Magen und Bauch. Denn nur, weil ich meine Gefühle verdrängte, waren sie ja nicht weg, sondern sie suchten sich ein Ventil. Und genau das sollte man sich klar machen, wenn man den Weg des vermeintlich geringeren "Übels" wählt. Dass ich hier und da zu feige wahr, mich nicht getraut hatte, habe ich im Nachhinein mit körperlichem Unwohlsein bezahlt.

 

Warum es manchen Menschen schwerfällt, Gefühle zuzulassen und sie zu äußern

 

Wenn ich eine Person bin, mit einem gesunden Selbstwert ausgestattet, angemessen meine Gefühle äußere, zu mir stehe und gelernt habe, es nicht jedem Recht machen zu wollen, dann werde ich eher in der Lage sein, just in time zu handeln und auf mich zu achten. Wenn Sie das (noch) nicht können, können Sie es aber jederzeit lernen! Vielleicht kostet Sie das zunächst eine besondere Überwindung. Denn Sie stehen viel mehr im Fokus, werden u. U. viel mehr kritisiert und auch für das, was Sie sagen oder tun, abgelehnt. Und genau darin liegt die Krux. Denn niemand möchte abgelehnt werden und sich ungeliebt fühlen, denn das tut weh. Lieber halten Sie Gefühle zurück, lassen sich Vieles gefallen oder reden sich auch Einiges schön, damit Sie nichts tun müssen, oder? Die ungelebten Gefühle, die eigentlich jemand anderes gesagt oder gezeigt bekommen sollten, richten Sie dadurch gegen sich selbst. Das macht dann z. B. Magenschmerzen, Durchfall, Angst, Depressionen oder, oder.

 

Wann "reife Abwehrmechanismen" entwickelt werden

 

Schon als Kleinkind lernen wir uns mit Verletzungen und unseren schmerzhaften Gefühlen auseinanderzusetzen. Dazu gehört, dass wir lernen adäquat mit Gefühlen z. B. nach einer Kränkung, Enttäuschung oder nach Niederlagen umzugehen. Adäquat meint, dass wir uns in einer Situation gerade machen, uns äußern und wehren, wenn uns z. B. unrecht getan wurde usw., uns also "schützen". Wenn wir genügend "reife Abwehrmechanismen" entwickelt haben, sind wir in der Lage uns den damit verbundenen Gefühlen zu stellen und unsere Gefühle eben nicht zu verdrängen. 

 

Das können Sie jederzeit nachholen, wenn Sie merken, dass Sie dazu neigen eher in die Verdrängung zu gehen, nicht über Ihre Gefühle sprechen oder sie auszuagieren. Sie könnten z. B. eine Ent_täuschung nutzen, in diesem Moment ganz genau hinzuschauen und somit unverstellt sehen, was Sie vorher nicht sehen konnten oder wollten, auch wenn es erst mal weh tut. Reife Abwehr heißt auch, dass etwas nicht gegen sich selbst zu richten, sondern proaktiv mit den Gefühlen umgehen können, sodass Sie einen Nutzen aus Geschehnissen ziehen können.

 

Verdrängtem auf die Spur kommen und es nachträglich auflösen

 

Ich habe während Therapien oder Coachings oft genug erlebt, dass Klienten wie befreit und gefühlt im etliche Kilos leichter waren, nachdem Sie sich einem verdrängten belastendenden Erlebnis stellen bzw. wir es mittels nachgeholter REM-Phase von außen lösen konnten. Meist kommen sie dann aber schon mit Symptomen in die Behandlung, die sie sich häufig nicht erklären können. Doch, vielleicht haben Sie sich aus der Vergangenheit heraus regelrecht "angewöhnt" zu verdrängen. Dann tun sie das unbewusst und automatisch. Sie merken es gar nicht mehr. Denn wenn wir so etwas tun, heißt es ja nur, dass wir uns schützen wollen. Es gibt immer auch eine positive Absicht hinter einem Verhalten, auch wenn es uns im Nachhinein vielleicht nicht gut tut.

 

Sich seiner Verhalten bewusster werden und andere Strategien

 

Wenn Ihnen spätestens jetzt noch einmal klarer geworden ist, wofür und weshalb es wichtig ist, nicht weiter zu verdrängen, habe ich hier noch ein paar Tipps für Sie, wie Sie zukünftig anders mit Ihren Gefühlen umgehen können:

  • achtsamer für seine Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche werden
  • selbstbewusster zu sich selbst und seinen Gefühlen stehen
  • durch mehr Selbstliebe keine Angst mehr vor Ablehnung anderer haben
  • täglich üben, Gefühle zu äußern und spüren, wie gut es sich anfühlt
  • Erwartungen an andere herunterschrauben
  • Gefühle nicht zurückhalten, sondern adäquat rauslassen, äußern
  • aus Ihren Emotionen neue Kraft schöpfen, indem Sie einen Nutzen aus ihnen ziehen

Wenn Sie selbstbewusster, sich selbst mehr lieben und mutiger geworden sind und viel besser sagen können, wie es ihnen gerade geht, was Sie sich wünschen oder auch, was Sie nicht mehr möchten, werden Sie spüren, wie viel leichter sich das für Sie anfühlt. Sie fühlen sich zunehmend authentischer und vor allem freier und wohler. Auch ich übe heute noch. Und Sie können das auch :-)!

 

Mutige Grüße, Ihre

 

Susanne Körner

(Foto: gavan_fotolia.com)